Wilfried Kürschner
Curriculum Vitae


Ich wurde am 8. April 1945 in Lichterfeld (Kreis Finsterwalde) in der Niederlausitz geboren. Mein Vater, Willi Kürschner, war von Beruf Zimmermann, meine Mutter, Milda Kürschner, arbeitete als Verkäuferin. Seit 1970 bin ich verheiratet mit Christa Kürschner-Ledebrink, Gymnasiallehrerin bis 2007. Wir haben zwei Kinder, Katrin (Psychologische Psychotherapeutin) und Sebastian (Professor für Variationslinguistik und Sprachkontaktforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg), die 1975 und 1976 geboren wurden.

Das Gymnasium besuchte ich in Dortmund. Nach dem Abitur 1965 studierte ich die Fächer Germanistik und Anglistik an der Universität Tübingen mit einem Auslandssemester an der University of Newcastle upon Tyne. Daneben erwarb ich das Graecum und beschäftigte mich mit dem Hebräischen und dem Sanskrit. 1970 legte ich in Tübingen die Wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an Gymnasien ab.

1973 wurde ich in Tübingen bei Otmar Werner mit einer Arbeit über zusammengesetzte Substantive zum Dr. phil. promoviert (Zur syntaktischen Beschreibung deutscher Nominalkomposita. Tübingen: Niemeyer, 1974). Zusammen mit Werner wechselte ich 1975 als wissenschaftlicher Assistent an die Universität Freiburg i. Br. Dort habilitierte ich mich 1979/80 im Fach Germanische Philologie mit einer Arbeit über die Verneinung (Studien zur Negation im Deutschen. Tübingen: Narr, 1983) und wurde zum Privatdozenten ernannt.

1980 wurde ich gleichzeitig von der Universität Köln und von der Abteilung Vechta der Universität Osnabrück (jetzt »Universität Vechta«, 1995–2009 »Hochschule Vechta« [Wissenschaftliche Hochschule des Landes Niedersachsen mit Universitätsstatus]) zur Ernennung zum Professor vorgeschlagen. Ich nahm den Ruf auf die ordentliche Professur für allgemeine Sprachwissenschaft und germanistische Linguistik in Vechta an und war in der Lehre zunächst tätig in den Lehramtsstudiengängen (Lehramt an Gymnasien [bis 1994], an Realschulen, an Grund- und Hauptschulen [bis 2003]) und im Magisterstudiengang (1981–1998, auslaufend bis 2010), ab der Umstellung auf konsekutive Studiengänge lehrte ich bis zum Sommersemester 2010 im lehramtsbezogenen Studiengang »Bachelor of Arts« (ab 2003) und im Studiengang »Master of Education« (ab 2006). Von Lehr- und Prüfungspflichten bin ich seit dem 1. Oktober 2010 befreit.

Meine Forschungsinteressen richten sich auf die in diesen Studiengängen relevanten sprachwissenschaftlichen Gegenstände, mit Schwerpunkten in der Grammatik und der Orthografie. Ergebnisse der Forschungs- und Lehrtätigkeit sind zwei Lehrbücher, und zwar der UTB-Band Grammatisches Kompendium: Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe (Tübingen, Basel: Francke, 1. Auflage 1989; 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage 1993; 3., vermehrte und bearbeitete Auflage 1997; 4., ergänzte und bearbeitete Auflage 2003; 5., durchgesehene Auflage 2005; 6., aktualisierte Auflage 2008) und das studienpraktische Taschenbuch Linguistik: Ein Studienbegleiter für Germanisten (Berlin: Erich Schmidt, 1994; 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2003; 3., durchgesehene Auflage 2007). Für die Arbeit in Vorlesungen und Seminaren sind zunächst für den internen Gebrauch Broschüren mit dem Obertitel Grammatische Grundbegriffe: Aufgaben, Übungen, Materialien zusammengestellt worden.

Aus Anlass der Neuregelung der Rechtschreibung erschien das Buch Neue Rechtschreibung kompakt. Systematische Übersicht über die Neuerungen der Orthografiereform. Wortindex mit Variantenführer (Vechta: Plaggenborg, 2001 – ursprünglich 1996 unter dem Titel Orthografie 2000: Übersicht über die wichtigsten Neuerungen als Beilage zur örtlichen Zeitung). Im Zusammenhang mit der Orthografiereform wurden Materialien für Vorträge und Kurse erstellt, Rundfunkgespräche geführt sowie Kommentare und Wörterbuchbesprechungen in der örtlichen Presse veröffentlicht. Von diesem Thema handelte 1997 auch meine Rektoratsrede.

Neben den genannten germanistischen Gebieten richten sich meine Forschungsinteressen auf die allgemeine Sprachwissenschaft und auf die Geschichte der Sprachwissenschaft. Die wichtigsten Publikationen in diesen Bereichen sind das zweibändige Linguisten-Handbuch (Tübingen: Narr, 1994, Sonderausgabe 1997), in dem die biografischen und bibliografischen Daten von gut 1600 deutschsprachigen Sprachwissenschaftlern der Gegenwart (mit Fotografie) versammelt sind, sowie die Übersetzung der ältesten und einflussreichsten abendländischen Grammatik, der Téchne grammatiké des Dionysios Thrax (2./1. Jh. v. Chr.), die 1996 unter dem Titel Die Lehre des Grammatikers Dionysios erschienen ist und 1998 zusammen mit einer niederländischen Übersetzung nochmals in Buchform (Löwen: Peeters) vorgelegt wurde. Darüber hinaus war ich beteiligt an der Edition von Studien des japanischen Forschers Tsugio Sekiguchi, Deutsche Präpositionen (Tübingen: Niemeyer, 1994). Diese Arbeiten sind in der Vechtaer Arbeitsstelle für Linguistische Dokumentation entstanden, deren Leiter ich bin.

Zu allen genannten Gebieten liegen weitere Veröffentlichungen in Form von Aufsätzen und kleineren Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelbänden vor. Darüber hinaus habe ich (gymnasial-)didaktische Kommentare sowie Rezensionen und zahlreiche Referate für die Zeitschrift Germanistik verfasst.

Ich habe zusammen mit anderen eine Anzahl von Sammelbänden herausgegeben und bin Mitherausgeber der Reihe »Vechtaer Universitätsschriften« (diverse Verlage), der Forschungsausgabe der Werke von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, der »Schriftenreihe Werke der Brüder Jacob Grimm und Wilhelm Grimm« (Hildesheim: Olms-Weidmann), der Reihe »Linguistik International« sowie der Reihe »Littera. Studies in Language and Literature/Studien zur Sprache und Literatur« (Frankfurt am Main: Lang).

Daneben habe ich, teils in Zusammenarbeit mit Kollegen, diverse andere Schriften publiziert, darunter für die Hand des Schülers und angehenden Studenten eine Darstellung der Voraussetzungen für das Studium der Germanistik (1998) sowie eine längere hochschulpolitische Stellungnahme (1997/98). Zusätzlich war ich 1994/95 und von 2003 bis 2009 verantwortlich für die Herausgabe des Vorlesungs- und Personenverzeichnisses der Hochschule Vechta.

Bei Kongressen und Vortragsreisen im Ausland habe ich Vorträge gehalten in Kopenhagen (1971), Groningen (1986), Danzig (1986, 1995), Tokio (1990), Québec (1992), Aarhus, Jyväskylä, Savonlinna, Tampere, Helsinki (1994), Löwen, Oxford (1996), Paris (1997), Thessaloniki (1998), Wien (2000), Ljubljana (Laibach)/Slowenien (2001), Himeji/Japan, São Paulo (2002), Piliscsaba/Ungarn (2003), Moskau (2005), Rhodos (2007), Seoul (2008), Tschenstochau/Polen, Sofia (2009), Warschau, Veszprém/Ungarn (2010), Sibiu (Hermannstadt)/Rumänien (2011), Olsztyn (Allenstein)/Polen (2012), Alcalá de Henares/Spanien (2013) und in Ufa/Russland (2014).

Des Weiteren habe ich auf Kongressen im Inland vorgetragen und sechs Tagungen mit organisiert: 10. Linguistisches Kolloquium 1976 in Tübingen, 19. Linguistisches Kolloquium 1984 in Vechta; Ost-West-Kolloquien zur Sprachforschung 1995, 1998, 2000 jeweils in Berlin, 2002 in Kobe/Japan. Ich bin Mitglied des Internationalen Organisationskomitees für das Linguistische Kolloquium, Mitbegründer und zweiter Vorsitzender der Ost-West-Gesellschaft für Sprach- und Kulturforschung (seit 2000) sowie Vorsitzender des Gabelentz-Forums innerhalb der Ost-West-Gesellschaft (seit 2010).

Zu Besuchen von Partnerhochschulen der Universität Vechta habe ich mich (meist mit Vorträgen und Lehrveranstaltungen) aufgehalten an der Université d’Angers (1987), an der Texas Lutheran University in Seguin (1994), an der Universität in Zielona Góra (Grünberg)/Polen (1995), an der Universität in Jászberény/Ungarn (2003), an der Universität in Daugavpils (Dünaburg)/Lettland (2004) und an der Anadolu-Universität in Eskisehir/Türkei (2009).

Unter meiner akademischen Anleitung sind in Vechta vier Dissertationen vorgelegt worden.

In der akademischen Selbstverwaltung war ich in zahlreichen Gremien tätig, darunter mehrere Jahre im Senat der Universität Osnabrück und der Universität Vechta, im Fachbereichsrat, in Kommissionen und Ausschüssen. Ich habe mehrere Berufungskommissionen geleitet und war zwei Jahre lang Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission für Lehrerausbildung der Universität Osnabrück. Das Amt des Dekans habe ich insgesamt vier Mal bekleidet. Von Oktober 1997 bis Februar 1998 war ich Rektor der Universität Vechta, von 2003 bis 2009 Direktor des Instituts für Anglistik und Germanistik.

Seit dem Wintersemester 2010/11 bin ich emeritiert (Festschrift: Grammatik, Praxis, Geschichte. Herausgegeben von Abraham P. ten Cate, Reinhard Rapp, Jürg Strässler, Maurice Vliegen und Heinrich Weber. Tübingen: Narr, 2010). Die Lehr- und Prüfungstätigkeit habe ich beendet, in der Forschung bin ich weiterhin tätig.